- BBS III Braunschweig, Alte Waage 2 – 3, D-38100 Braunschweig
- Folkhälsansinstitut, Mannerheimvägen 168, SF-00250 Helsingfors
- Bundeshandelsakademie St. Johann/Pg. Bundesstr. 1, A-5600 St. Johann/Pg.
- Zespol Szkol Mechanicznych, ul. Zegadlowicza 36, PL-34-100 Wadowice
Vorspann
Mit den Partnerschulen Folkhälsansinstitut, Helsinki, Finnland und der Bundeshandelsakademie, St. Johann/Pg., Österreich bestehen seit der Ausrichtung des "Europäischen Monats" durch die schwedischen Schule, dem swedish commercial college, intensive persönliche Kontakte, die für die schulische Arbeit nutzbar gemacht werden konnten. Zu dem europäischen Monat hatte die Schule in Helsinki Gäste aus allen europäischen Ländern eingeladen und dann nach Themen zugeordnet: Osteuropa, Westeuropa, Wirtschaftsregionen einzelner Länder, Multikulturen in Europa etc. Die beteiligten SchülerInnen hielten auf den Foren Vorträge, es folgten Fachvorträge von Professoren und Wirtschaftsvertretern.
Einstieg
Zu Beginn des Schuljahres (Sept. 97) wurde den SchülerInnen das Projekt "Leben und Arbeiten in Europa" vorgestellt. Bei den SchülerInnen handelt es sich um Bürokaufleute, die innerhalb ihrer Ausbildung einen medialen Austausch mit SchülerInnen in Österreich und Finnland haben, um so in gemeinsamen Themenkreisen ausgebildet zu werden und die Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede herauszuarbeiten. Da das Projekt das Ziel hat, neben Fach-, die Methoden und Sozialkompetenz zu stärken, wurde zunächst eine zweitägige Einführung über Arbeitstechniken, Projektarbeiten und die verschiedenen Möglichkeiten des Austausches gegeben. Am Ende dieser Phase präsentiert sich die Euro-Klasse (BK) per Foto und Lebenslauf ihren Partnern, die zur gleichen Zeit dasselbe tun.
Weiteres Vorgehen
Damit die SchülerInnen sich gegenseitig und gleichzeitig auch die Betriebe kennenlernen, stellte zunächst jede/r SchülerIn eine sogenannte Präsentationsmappe über ihren Betrieb – in Englisch und Deutsch. Anschließend wurde ein Fragebogen (deutsch-englisch) über Bedarf/Bedürfnisse/Freizeitverhalten/Konsumverhalten erstellt, der graphisch ausgewertet wurde (EDV/Bürokommunikation/Allgemeine Wirtschaftslehre/Englisch). Damit wurde fächerübergreifend im Lehrerteam unterrichtet. Grundsätze für die Erstellung eines Fragebogens und einer Präsentation erlernten die SchülerInnen im Fach Politik. Sie entwickelten dabei Schulprofile der Partnerschulen, die als ständige Ausstellung in der Pausenhalle zu sehen sind. Ebenfalls drehten alle Partner jeweils einen Videofilm über die Schule, um die Räumlichkeiten auch der anderen kennenzulernen. In der Weihnachtszeit packten die SchülerInnen auf eigene Kosten Päckchen mit deutschen Spezialitäten für die Partner in Finnland und Österreich; daraufhin antworteten die Finnen und Österreicher mit ihren kulinarischen Spezialitäten.
Im weiteren Verlauf (2. Halbjahr) wurde der Themenbereich Personalbeschaffung/verwaltung behandelt. Hier schrieben Schüler eine Anfrage an das Arbeitsamt Braunschweig mit der Bitte um einen Info-Besuch über Fort- und Weiterbildung bzw. Berufschancen im kaufmännischen Sektor. Über das Interview wurde zusammen mit einem Fragekatalog an die Partnerschulen ein Protokoll gefertigt, so dass die Partner Einblick in die deutsche Arbeitsmarktsituation im kaufmännischen Sektor gewinnen konnten.
An beiden Partnerschulen erfolgt der Unterricht in der Vollzeitschulform; es gibt wenig Auszubildende. In Österreich besuchen die SchülerInnen mit Vollendung des 14. Lebensjahres entweder eine allgemeine oder berufliche Oberstufe, die nach 4 Jahren mit der "Matura" – vergleichbar mit dem Abitur endet. Innerhalb dieser vier Jahre erwerben die SchülerInnen auch einen Beruf des Bürokaufmanns/frau oder Einzelhandelskaufmanns/frau.
Auch in Finnland gibt es kein duales System im kaufmännischen Bereich. Die SchülerInnen besuchen je nach Fachrichtung entweder 3 oder 4 Jahre die Vollzeitschule. Nach 3 Jahren schließen sie mit "merkonom", nach 4 Jahren mit "ökonom" ab. Dieser letzte Abschluss berechtigt dann zum Studium an einer Fachhochschule oder Hochschule. Unsere Partnerschule ist eine schwedische Schule für die schwedische Minderheit im Land, d. h. neben Schwedisch als Muttersprache lernen die SchülerInnen Finnisch als 2. Muttersprache, danach Englisch, Französisch, Deutsch, manchmal auch Spanisch oder/und Russisch. Die englische Sprache stellt daher für sie keinerlei Problem dar. Außerdem versucht man durch das Programm "Young enterprise" die sehr hohe Arbeitslosigkeit zu senken. Young enterprise umfasst die Gründung und das Betreiben einer eigenen kleinen Firma durch Schüler. Die SchülerInnen erhalten das Geld von Bekannten, Verwandten und Freunden gegen die Ausgabe von "Anteilsscheinen". Sie erhalten auch ein eigenes Bankkonto, geben sich einen eigenen Namen, der allerdings immer mit u.k. enden muss, damit die Öffentlichkeit erkennt, dass hier Schüler am Werk sind. Dann beginnt die Ideenfindung. Bei der Erstellung der Bilanz und aller weiteren kaufmännischen Tätigkeiten hilft ein Lehrer, der einen Nachmittag die Schülergruppen berät. Ziel ist es, möglichst viel Umsatz zu machen. Die SchülerInnen sind sehr erfinderisch: Graffitti-Zeitungen, Kinderbücher, Cafeteria für Lehrer, Kioski, Baby-Betreuung. Daneben absolvieren die SchülerInnen während ihrer Ausbildung 2 x 1 4wöchtiges Praktikum, das von einer Schülerin jetzt auch in Deutschland (bei IKEA) absolviert wurde.
Im weiteren gemeinsamen Unterricht wurden dann in allen Partnerschulen Bewerbungsunterlagen, Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und Fragen dazu erarbeitet. Dabei wurden diese Vorstellungsgespräche auch Cassette aufgezeichnet und den Partnern übermittelt. Anschließend wurde im Rahmen von Leittexten die Tätigkeiten bei der Einstellung von Mitarbeitern (Sozialversicherungsrecht) erarbeitet und tabellarisch dargestellt. Auch die Arbeitsschutzgesetze (Mutterschutz, Jugendarbeitsschutz etc.) der einzelnen Länder wurden tabellarisch aufgezeigt. (s. Anlage) Dann erfolgte ein Vergleich der verschiedenen Ausbildungssysteme (duales System – Vollzeitunterricht). Zum Thema Arbeitsplatzgestaltung entwickelten die SchülerInnen der Länder eine entsprechende Broschüre.
Im Juni 1998 besuchte uns die österreichische Kollegin, Frau T. Ertl, um die Projektergebnisse der Österreicher mitzubringen und die Schule kennenzulernen. Im Rahmen einer schulformübergreifenden "Berlinfahrt" erstellten die SchülerInnen der Euro-BK einen Fotoband zum Thema: Hauptstadt im Wandel. Dieser Fotoband soll durch einen Fotoband Salzburg und Helsinki ergänzt werden.
Die Aktivitäten des 1. Jahres wurden dann im August 1998 vom Sender "Okerwelle" aufgezeichnet. Die Schüler präsentierten mit Musikwünschen versehen, ihre Partner.
Im 2. Projektjahr (Beginn September 98) starteten wir mit dem Projekt "Beschaffung im Unternehmen". Das Buch war auch in englischer Sprache "Purchasing" erschienen und konnte von Frau Potrykus, unserer finnischen Kollegin auch benutzt werden. Anhand dieses Buches tauschten die SchülerInnen per Fax oder Brief die Besonderheiten des deutschen/finnischen bzw. österreichischen Vertragsrechts aus und stellten die Unterschiede dar. (Starke Einbeziehung der Tabellenkalkulation)
Höhepunkt des 2. Halbjahres war das erste selbstfinanzierte Schülertreffen aller Partnerländer im März 1999. Während einer Woche lernten die SchülerInnen sich einmal persönlich kennen, besichtigten gemeinsam Salzburg, diskutierten mit Vertretern von Kammern und Unternehmensverbänden die Situation auf dem Arbeitsmarkt, lernen die Probleme der österreichischen Wirtschaft intensiver kennen und wurden als EU-Bürger vom Bürgermeister begrüßt. Sie besuchten das Aluminiumwerk in der Nähe der Partnerstadt und verglichen die heimischen mit den dortigen Arbeitsbedingungen. Da die Hauptwirtschaftskraft Österreichs der Tourismus ist, kam auch der Vergleich der kulinarischen österreichischen Küche mit deutscher und finnischer Küche nicht zu kurz.
Den fachlichen Höhepunkt bildete die Projektarbeit aller Teilnehmerländer: "Die Arbeitswelt der Zukunft – wenig Chancen für uns?" Der Kollege aus Österreich hatte ein Zukunftsszenario mit Beobachtergruppen, Moderatoren und Bewirtungsgruppen organisiert, die selbständig Fragen zu Berufsausbildung, Arbeitsmarkt, Stellung der Frau in der Gesellschaft, Bildung etc. erarbeiteten und anschließend in englischer Sprache präsentierten. An der Projektarbeit nahmen auch Berufsschüler der benachbarten Schule teil, die sich in Österreich in einer der wenigen dualen Ausbildungen befinden. Anschließend erstellt das Team der Moderatoren eine Zusammenfassende Bewertung. Die deutschen Schüler sind überrascht, wie selbstverständlich österreichische und finnische Schüler im Team arbeiten, Themen formulieren und konkretisieren.
Die Ergebnisse des Schülertreffens wurden im Rahmen des EU-Tages am 5. Mai 1999 in Braunschweig präsentiert. Am 14. Dezember wird dann die Euro-HH einen Weihnachtsbazar im Altenheim der AWO und in der Alten Waage mit europäischen Produkten durchführen.
Zukünftige Projekte
Im 3. Projektjahr wird eine polnische Schule (s.o.) mit uns zusammenarbeiten im Bereich Gesellschaft und Politik. Außerdem wird es einen unterstützenden Berufsfachschul-Kurs geben, der das Thema "Europa" zum Inhalt haben wird. Es ist für das 3. Projektjahr einmal eine Marketing-Kampagne (Schulprospekt etc.) wie auch wirtschaftspolitische Themenschwerpunkte (Bruttosozialprodukt, Konjunkturentwicklungen etc.) Außerdem wird das Projekt in einer neuen Bürokaufleute-Klasse wiederholt. Es ist weiter geplant, eine Zusatzqualifikation im Rahmen der kaufmännischen Ausbildung zu geben (Europa-Recht), die anschließend auch zertifiziert (Europass) werden kann. Als weiterer Projektpartner sind Island und Czechien vorgesehen. Mit Island bestehen jetzt schon gute Kontakte.
Sommer 1999 - Besuch in Polen
Herbst 1999 - Besuch um 110jährigen Jubiläum in Polen
Dezember 1999 - Besuch durch den polnischen Schulleiter (LINGUA E)
Februar 2000 - Arbeitstreffen im Rahmen des Studienbesuchs aus Österreich
März/April/Mai - finnische und französische Studenten (Nantes/Helsinki) arbeiten in Braunschweiger Betrieben.
Herbst 2000 - LINGUA E-Projekt mit Polen






